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Montag, 17 Oktober 2016 16:28

Übergriffe auf christliche Flüchtlinge sind deutschlandweite Erscheinung

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Berlin (idea) – Bei Übergriffen auf Christen in deutschen Flüchtlingsunterkünften handelt es sich nicht um Einzelfälle, sondern um eine bundesweite Erscheinung. Das ist das Ergebnis einer neuen, erweiterten Studie, die das christliche Hilfswerk Open Doors (Kelkheim bei Frankfurt am Main) gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen am 17. Oktober in Berlin vorgestellt hat.

Pressekonferenz

Sie trägt den Titel „Mangelnder Schutz religiöser Minderheiten in Deutschland“ und dokumentiert 743 religiös motivierte Übergriffe auf christliche Flüchtlinge in Deutschland. Danach erlitten 91 Prozent der Betroffenen Verfolgung durch Mitflüchtlinge und 28 Prozent durch das Wachpersonal. Mehr als jeder zweite Befragte (56 Prozent) beklagte körperliche Gewalt. 42 Prozent bekamen bereits Morddrohungen, und sechs Prozent haben sexuelle Übergriffe erlebt. Nur in jedem sechsten Fall (17 Prozent) wurden die Übergriffe bei der Polizei angezeigt. Auf die Frage, in wie vielen Fällen Anzeigen etwas bewirkt hätten, sagten 26 Prozent „immer“, 21 Prozent „manchmal“ und 52 Prozent „nie“. Der größte Teil der befragten Flüchtlinge stammt aus dem Iran (41 Prozent), gefolgt von Syrien (35 Prozent) sowie Afghanistan (acht Prozent) und dem Irak (fünf Prozent).

Die „Political Correctness“ endlich hintenanstellen

Nach Worten des Leiters von Open Doors, Markus Rode, zeigen die Zahlen, dass die Lage in deutschen Asylunterkünften „unfassbar dramatisch“ ist: „Wir haben in Deutschland eine Situation, die dieses Landes nicht würdig ist. Und wir sprechen nach wie vor nur von der Spitze des Eisbergs.“ Man gehe von einer enormen Dunkelziffer an Fällen aus, die nicht dokumentiert seien, so Rode. Man fordere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) daher auf, das Thema der Verfolgung und Diskriminierung christlicher Flüchtlinge „zur Chefsache“ zu machen. Rode: „Wir sollten die Political Correctness endlich hintenanstellen und den Opferschutz nach vorn rücken.“

Rode: Wollen keinen Generalverdacht gegen Muslime erheben

Rode betonte, dass die Erhebung nicht politisch motiviert sei: „Wir möchten auf keinen Fall schwarz-weiß malen und einen Generalverdacht gegen Muslime erheben.“ Doch wer Gewalt gegen christliche Asylbewerber verschweige, mache sich mitschuldig. Im Mai hatte Open Doors bereits eine erste Studie vorgestellt. Damals hatte das Werk 231 Fälle von Gewalt gegen Christen in deutschen Unterkünften dokumentiert. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung warf dem Werk daraufhin vor, bei den Zahlen übertrieben und Einzelfälle verallgemeinert zu haben. Rode: „Um die Vorwürfe und Zweifel zu entkräften, haben wir die Erhebung erweitert.“ Er beklagte zudem, dass christliche Konvertiten unter den Asylbewerbern seit geraumer Zeit in Schnellverfahren abgeschoben werden. Dabei handele es sich um eine „dramatische Situation, die dringend gestoppt werden muss“.

Wenn sich Konvertiten aus Verzweiflung das Leben nehmen

Der Leiter des Arbeitskreises Flüchtlinge innerhalb des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland, Paulus Kurt (München), berichtete von Konvertiten, die sich aus Verzweiflung das Leben nahmen oder in ihre Heimatländer zurückkehrten. Viele Christen aus dem Orient seien voller Hoffnung nach Deutschland geflüchtet. Sie könnten nicht verstehen, dass sie ebenso in einem Rechtsstaat Diskriminierung erleben müssten. Der Vorsitzende der Europäischen Missionsgemeinschaft, Frank Seidler (Penkun/Vorpommern), berichtete, dass teilweise auch Übersetzer Christen diskriminierten, indem sie Aussagen falsch wiedergäben oder sich weigerten, diese zu übersetzen. Der Sprecher der Aktion für verfolgte Christen und Notleidende (Nidda bei Gießen), Volker Baumann, zeigte sich erschüttert über die verbreitete Angst, in der christliche Flüchtlinge in Deutschland lebten: „Die Verharmlosung dieses Problems ist keine Lösung.“ Die Ergebnisse der Open-Doors-Studie stehen im Widerspruch zu Äußerungen des EKD-Ratsvorsitzenden, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München). Er hatte im März in der Sendung „Kontrovers“ des Bayerischen Rundfunks erklärt, Gewalt von muslimischen Flüchtlingen gegen christliche Migranten sei kein flächendeckendes Problem in deutschen Unterkünften. Sollten neue Erkenntnisse da sein, „die wirklich geklärt sind und wirklich handfest sind, dann muss gehandelt werden“.

Quelle: Idea.

Foto: Idea/Pankau

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