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Montag, 26 September 2016 18:58

Konvertierende Flüchtlinge in Berlin

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In gutem Glauben: Eine Steglitzer Kirchengemeinde ­drohte ­buchstäblich auszusterben. Doch dann kamen muslimische Flüchtlinge – und konvertierten zum Christentum. Ein Wunder, bei dem Fragen bleiben.

Gottfried Martens

 

Mittwochnachmittag in der Dreieinigkeitskirche in Steglitz. Pfarrer Gottfried Martens, 53, ein Mann mit kurz geschorenem Haar und beigem Seemannspulli, schreitet durch den hellen Saal. Die Arme vor dem Körper verschränkt, die Augen fest auf die Bankreihen gerichtet, der Blick siegesgewiss. Wie ein Boxer vor dem Wettkampf.
„Für euch war Gott immer groß und weit weg“, sagt Martens. „Im Abendmahl aber kommt er uns so nah, dass wir ihn berühren können. Er macht sich ganz klein, aus Liebe zu uns.“

Etwa 80 Zuhörer sitzen auf den Bänken. Fast alles Männer zwischen 20 und 30, in Jeans und T-Shirts, vereinzelt auch Frauen und Kinder. Ihre Blicke folgen Martens aufmerksam – und schweifen doch immer wieder zu dem jungen Mann hinüber, der neben ihm steht. Martens Dolmetscher. Der Mann, der die Worte des Pfarrers ins Farsi übersetzt.
Die Zuhörer an diesem Nachmittag stammen alle aus dem Iran und Afghanistan. Es sind Muslime, die keine mehr sein wollen. Sie sind zum Taufunterricht hier. Vier Monate lang studieren sie die zehn Gebote und die Lehren Luthers, sie lernen, wie das Abendmahl abläuft und wie man ein Glaubensbekenntnis spricht. Am Ende wird Martens sie prüfen und – sollten sie die Prüfung bestehen – taufen. Ein „Crashkurs“ in die neue Religion. Und doch so viel mehr.

Man kann das, was da in Steglitz passiert, durchaus als kleines Wunder bezeichnen. Zumindest aus Sicht der Kirche: Keine fünf Jahre ist es her, da sollte das Gebäude abgerissen werden. Eine Handvoll älterer Herren und Damen kam noch zum Gottesdienst, ansonsten blieb das Haus leer. Dann aber, 2011, tauchten die ersten zwei Iraner in der Gemeinde auf. Bald brachten sie Freunde mit, die wiederum Freunde mitbrachten. Inzwischen gibt es 1.100 neue Mitglieder, alles Flüchtlinge.

Das „Wunder von Steglitz“ ist kein Einzelfall: Überall in Deutschland konvertieren Muslime derzeit zum Christentum. Die Taufe von 70 Muslimen in einem Hamburger Schwimmbad, von der ARD übertragen, ist nur das prominenteste Beispiel. Genaue Angaben zur Anzahl der Konvertiten gibt es nicht – unter anderem, weil weder die Evangelische Kirche in Deutschland noch die katholische Bischofskonferenz Zahlen nennen. Tausende sind es auf jeden Fall. Die meisten von ihnen Flüchtlinge.

Den ganzen Artikel auf Tip.

Quelle: TIP/Sascha Lübbe

Foto: TIP/Sascha Lübbe

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