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Dienstag, 13 September 2016 18:04

Flüchtlinge werden wegen ihres Glaubens auch hierzulande bedroht und geschlagen

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KREIS GIESSEN. „Wir finden mit unseren Anliegen nicht immer offene Ohren“, sagt Wolfgang Baake, Journalist und Theologe aus Wetzlar. Worum geht es denn? „Um Christenverfolgung.“ Wo? „Überall und hier bei uns.“ Christenverfolgung in Deutschland – wer kann denn da die Ohren auf Durchzug schalten?

Wir nicht. Und deshalb haben wir uns mit Wolfgang Baake verabredet. Mit dabei war auch Markus Rode. Er ist Geschäftsführer von „Open Doors“ Deutschland, einem überkonfessionelem Hilfswerk, das seit 61 Jahren weltweit verfolgten Christen beisteht – und neuerdings auch hier in Deutschland.

Ich bemühe mich, ein Christ zu sein. Ich sage und schreibe das auch. Aber ich fühle mich deshalb hier in Deutschland nicht verfolgt.

Rode: Sie leben auch nicht in einer Flüchtlingsunterkunft, und Sie sind nicht wegen Ihres Glaubens nach Deutschland geflohen.

Es geht also um Flüchtlinge. Aber die sind, wenn sie es denn bis Deutschland geschafft haben, hier sicher.

Baake: Als Flüchtling ja, aber nicht als Christ. Es gibt zahlreiche Übergriffe.

Was für Übergriffe?

Baake: Einschüchterungen, Bedrohungen bis hin zur Gewalt.

Vielleicht Einzelfälle von ein paar Verrückten?

Rode: Leider nicht. Wir haben unlängst in Berlin eine Studie veröffentlich, in der 231 Fälle von Gewalt gegenüber Christen hier in Deutschland dokumentiert werden. Im Oktober werden wir neueste Zahlen veröffentlichen – es werden mehr als 500 sein.

Aber das spielt sich doch dann hier auf deutschem Boden ab. Hier gibt es Gesetze und Regeln.

Rode: Und doch sind die Übergriffe da.

Aber es gibt hier ein funktionierendes System mit Justiz und Polizei.

Rode: Ja, aber mir ist noch kein Fall bekannt, dass eine Anzeige zum Erfolg geführt hätte. Die meisten Fälle werden erst gar nicht zur Anzeige gebracht.

Wissen die Flüchtlinge nicht, dass sie das hier können und dürfen?

Rode: Viele haben Angst. Sie wissen, wie das in ihrer Heimat war. Dort zählt oft das Wort eines Christen nicht. Wenn Aussage gegen Aussage steht, dann ist die Aussage eines Christen nur die Hälfte wert.

Aber jetzt sind sie hier. Wieso funktioniert das nicht? Nennen Sie doch mal ein Beispiel.

Rode: Nehmen wir einen Christen, der in seiner Heimat verfolgt wurde. Er kommt nach Deutschland in Sicherheit. Dann wohnt er hier in einem Zimmer mit sieben Flüchtlingen, die dem islamischen Glauben angehören. Für die ist ein Christ unrein. Ihm wird untersagt die Toilette und Küche zu benutzen. Und dann sind die Konflikte da.

Und die Offiziellen, warum schreitet da keiner ein?

Rode: Offiziell werden die Probleme meist heruntergespielt. Das kann schon mal vorkommen, heißt es. Das sei Alltag.

Baake: Aber das kann doch nicht Alltag sein. Stellen Sie sich einmal vor – da wurde jemand wegen seines Glaubens verfolgt. Er kommt nach Deutschland, fühlt sich sicher und stellt dann fest, dass er auch hier seinen Glauben nicht leben kann. Wo soll er denn nun hin?

Das hört sich alles so an wie – den Guten geht es schlecht und die Schlechten sind daran schuld. Ist Ihre Beschreibung der Zustände vielleicht eine Attacke gegen den Islam?

Rode: Nein, es geht hier nicht gegen den Islam und wir möchten auch keine Pauschalisierung. Wir sind ein unpolitisches Hilfswerk, das sich für verfolgte Christen einsetzt. Aber wir müssen die Wahrheit benennen.

Wie könnte denn das Problem der Bedrängnis von Christen in deutschen Flüchtlingsheimen gelöst werden? Es gibt doch schon Extra-Unterkünfte für Frauen oder für Homosexuelle.

Baake: Dieser besondere Schutzbedarf wird vonseiten der Politik für die Christen nicht gesehen.

Und bei der Politik finden Sie keine offenen Ohren?

Baake: Wenig. Deshalb sind wir auch ständig bemüht, auf die Probleme aufmerksam zu machen.

Und Sie finden kein Gehör?

Baake: Es gibt auch Lichtblicke. Wir waren zum Beispiel unlängst beim hessischen Innenminister. Peter Beuth hat uns und die Sachverhalte sehr ernst genommen. Das gibt ein wenig Hoffnung.

Aber bleiben wird mal beim grundsätzlichen Problem. Wir leben hier in Deutschland. Wer zu uns kommt, muss wissen, dass es hier Regeln und Gesetze gibt. Dazu gehört auch, dass hier niemand wegen seines Glaubens verfolgt und geschlagen wird. Punkt. Wem das nicht gefällt, der muss sein Glück anderswo suchen. Ist das nur ein Traum?

Rode: Es ist zumindest nicht die Realität, denn sonst müssten wir uns nicht um verfolgte Christen in deutschen Asylunterkünften kümmern, die ständig in Angst leben.

Sie hätten auch ansonsten noch genug Arbeit?

Rode: Mehr als genug. Leider.

Wo brennt es denn im Moment am meisten?

 

Den ganzen Artikel auf Gießener Anzeiger.

Quelle: Gießener Anzeiger

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